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telematikunterstützte verkehrsnetzwerke und eigentum in der kommunalen verkehrspolitik
über den zusammenhang von verkehrsplanung, telematik und der eigentumsfrage im öffentlichen nahverkehr
Mobilität
ist zu einem Teil für unseren Wohlstand verantwortlich, verursacht aber
auch gesellschaftliche Kosten für den Bau von Autobahnen, für neue
Straßenbahnen etc. Will man in der Verkehrspolitik nach vorne schauen,
muss man über diese Kosten diskutieren. Unterstützt man den Wunsch
nach maximaler Individualität (also den Individualverkehr, kurz IV) durch
niedrige Preise? Sollen gesellschaftliche Kosten wie Umweltzerstörung,
Luftverschmutzung, Unfallkosten und Baukosten in die Berechnungen der Nutzungsgrade
der Verkehrsmittel mit einfließen? Bezieht man all diese Kosten in die
Kalkulation mit ein, wer soll sie dann tragen? Der einzelne Autofahrer?
In solchen Punkten berührt Verkehrspolitik „heilige Kühe“.
Sie werden im folgenden nicht mehr diskutiert, weil sie zwar die übergeordnete
Frage über allen regionalen verkehrspolitischen Problemen – nämlich
die zu Grunde liegende Verkehrsphilosophie – berühren, aber einer
nationalen (wenn nicht sogar transnationalen, d.h. europäischen Entscheidung
bedürfen. Es geht hier um den Einsatz der nationalen Steuermittel und
um Fragen der Besteuerung, es geht darum, wohin die „großen Brocken“
fließen und wer sie bezahlen soll.
Die Situation der mangelnden Kostenwahrheit im IV ist zwar nicht auf regionaler
Ebene änderbar, stellt aber eine entscheidende Rahmenbedingung für
die regionale Verkehrspolitik dar, weil sie ja gerade dazu führt, dass
der IV für den einzelnen scheinbar günstiger als der öffentliche
Verkehr (ÖV) ist (bzw. nur um so viel teurer, als er auch subjektiv mehr
Nutzen stiftet). Gerade aus diesem Grund ist es notwendig, Preise im ÖV
zu stützen bzw. durch die umfassende integrative Planung des öffentlichen
Nahverkehrs, wie im folgenden dargestellt, höheren Nutzen zu stiften,
der aber im wesentlichen nicht durch Preise abgegolten werden kann. Dafür,
dass der ÖV mehr Nutzen stiftet, als er das tun kann, wenn er „alleine
gelassen“ wird, muss die Politik sorgen. Der Individualverkehr soll
aber keineswegs außen vor gelassen werden, sondern in dieses integrative
Konzept mit einbezogen werden. Es fehlt zwar Kostenwahrheit im IV, die Kosten,
die die Gesellschaft tragen muss, entstehen aber dennoch. Logische Konsequenz
ist daher der Ansatz der Politik, diese Kosten zu minimieren. Im folgenden
wird eine Strategie vorgestellt, wie das gehen könnte.
überblick über die linzer verkehrssituation
Betrachtet
man Verkehr und Verkehrspolitik in Linz, findet man eine ernste, aber nicht
hoffnungslose Lage vor. Die Probleme lassen sich – ohne ins Detail zu
gehen – auf einige Ursachen zurückführen:
Erstens hat Linz heute schon die Stellung eines transeuropäischen Knotenpunkts.
Schon vor dem Beitritt unserer Nachbarländer zur europäischen Union
hat durch verstärkte Integration dieser Staaten und zunehmendem wirtschaftlichem
Austausch auch der Verkehr zugenommen. Das Wirtschaftswachstum dieser Länder
und die zunehmende Motorisierung der Bevölkerung bringen auch mehr Verkehr.
Zweitens ist Linz Arbeitsplatzgeber für die ganze Region. In Linz arbeiten
190.000 Menschen – und damit mehr als in Linz wohnen (186.000 EinwohnerInnen)
. Dieser positive wirtschaftliche Aspekt bringt gleichzeitig eine große
Zahl an PendlerInnen nach Linz. Dazu kommt der österreichweit zu beobachtende
Trend, dass Menschen aus dem Stadtzentrum in die Umlandgemeinden abwandern
und sich vermehrt „Speckgürtel“ am Rand der Städte bilden.
Da die Umlandgemeinden aber in den meisten Fällen nicht über entsprechende
Arbeitsplätze verfügen, befahren zusätzliche PendlerInnen das
Straßennetz. Die, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln einpendeln,
verursachen weniger Kopfzerbrechen, da die bestehenden Verbindungen meist
nicht ausgelastet sind.
Drittens steigt generell das Verkehrsaufkommen durch eine Zunahme des Motorisierungsgrades,
des Freizeitverkehrs und des individuellen Mobilitätsbedürfnisses.
Linz bietet jede gesuchte Infrastruktur und die Menschen kommen aus sozialen,
medizinischen und vielen anderen Gründen nach Linz.
Das führt zu verschiedenen Problemen: Dem Parkplatzmangel in Zentrum
und in einigen Wohngebieten, Staus an den Stadteinfahren, zu Stadtteilen mit
starkem Durchzugsverkehr und einer zu Stoßzeiten ausgelasteten innerstädtischen
Nord-Süd Route. Die Eckdaten zur Linzer Mobilität finden sich detailliert
in der Publikation Linz in Zahlen und im Linzer Verkehrskonzept .
In Linz wird heute ein Konzept verfolgt, das die Ansätze von Verkehrssystem-Management
(Optimierung des bestehenden Verkehrsflusses bzw. des Angebots) und des Mobiliätsmanagements
(die Beeinflussung der Verkehrsmittelwahl) kombiniert. Für die zukünftige
Verkehrspolitik ist es hilfreich, eine übergeordnete Strategie zu formulieren.
Der im folgenden beschriebene Strategieansatz lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Für ein besseres regionales Zusammenspiel der verschiedenen Mobilitätsformen
sollen intermodale Verkehrsknoten in der Stadt wie auch in der Peripherie
gebildet werden. Das bedeutet, dass verschiedene Bereiche des ÖV und
IV zu Stationen, Bahnhöfen, Knoten oder wie man diese auch immer benennen
möchte, zusammengeführt und optimal miteinander verknüpft werden.
Dabei unterstützen telematische Verkehrsinformationssysteme mit Informationen
über Fahrpläne, Verkehrsprognosen, kürzeste Wegstrecken, etc..
Ein möglichst dichtes Netz von Verkehrsknoten, die eine effiziente und
möglichst individuelle Kombination verschiedener Verkehrsträger
ermöglichen, soll dadurch entstehen. Der Aufbau eines solchen Netzes
soll von der öffentlichen Hand und von Betrieben im öffentlichen
Eigentum übernommen werden.
vernetzung von intermodalen verkehrsknoten
Die Gesamtheit an Möglichkeiten, die verschiedenen Mobilitätsformen
zu nutzen, bildet schon heute ein dichtes Verkehrsnetz. Dieses Netzwerk bewusst
zu gestalten und zu optimieren ist die Aufgabe der Verkehrspolitik. Dafür
müssen Verkehrsknoten definiert, ausgebaut oder neu geschaffen werden.
Bei diesen Knoten sollen durch effiziente Kombinationen verschiedener öffentlicher
Verkehrsmittel und Einbindung des Individualverkehrs Synergien nutzbar werden.
Solche Verkehrsknoten können sowohl in der Stadt als auch an den Stadtgrenzen
errichtet werden. Sie verteilen nicht nur den Verkehr, sondern ermöglichen
im Idealfall den Umstieg von ÖV auf IV und umgekehrt. Dafür müssen
aber verschiedene Mobilitätsträger koordiniert und vernetzt werden.
Ein Beispiel für ein gelungenes Projekt in diesem Sinne ist der Neubau
des Linzer Hauptbahnhofes. Hier wurde nicht einfach eine neue Bahnhofshalle
aufgestellt, sondern sämtliche Verkehrsträger mit eingeplant. In
der so genannten Nahverkehrsdrehscheibe Hauptbahnhof (kurz: NVDS) wurde die
Straßenbahn unterirdisch miteingebunden und gleichzeitig das Projekt
der Straßenbahnunterflurlegung über mehrere Stationen im Zentrum
(von vielen „Mini-U-Bahn“ genannt) realisiert. Die Möglichkeit
einer Einbindung einer zukünftigen Straßenbahnlinie, die von Westen
über Leonding in die NVDS einmünden könnte, wurde gleich mitgeplant
und kann jederzeit aktiviert werden. Ein städtebaulicher Planungs-Fauxpas
wurde dadurch behoben, dass die LILO, die Linzer Lokalbahn (ein wichtiger
Zubringer für Pendler aus der ganzen Region), jetzt ebenfalls in die
NVDS mündet. Bisher war der LILO-Bahnhof wenige hundert Meter neben dem
Hauptbahnhof situiert. Ein neues Busterminal, 1.500 Fahrradabstellplätze,
witterungsgeschützte Taxistandplätze, und um die Attraktivität
und den Kundennutzen zu erhöhen, Geschäfte und Restaurants wurden
auf mehreren Ebenen realisiert. Für den IV wurden ein Parkdeck mit 340
Parkplätzen, ein Kiss&Ride-Bereich („Verabschiedungsspur“
zum Ein- und Aussteigen) sowie Kurzparkzonen geschaffen. Das gleichzeitig
errichtete Landesdienstleistungszentrum, Arbeitsplatz für fast 2.000
Menschen, wurde ebenfalls mit eingebunden und bietet damit den Beschäftigten
einen direkten Zugang zur Drehscheibe und den verschiedenen Mobilitätsformen.
Mehr als 290 Millionen Euro wurden in dieses intelligente Vernetzungsprojekt
investiert .
Zusammen mit weiteren Verkehrsknoten, über die ganze Stadt verteilt,
entsteht ein dichtes Netz vieler kleiner Verbindungen. Auf diese Weise entstehen
auch kürzere Wege für die BenutzerInnen. Es ist klar, dass es weder
sinnvoll noch möglich ist, solche Großprojekte an mehreren Stellen
der Stadt zu errichten. Bestehende Knotenpunkte, wie der Bahnhof Ebelsberg
und der Mühlkreisbahnhof sollten jedoch verstärkt zur vermehrten
Integration verschiedener Verkehrsformen genutzt werden und durch leistungsstarke
Angebote mit dem Hauptknoten verbunden werden. Ein Netzwerk - und damit ein
attraktives Angebot für die Verkehrsteilnehmer - entsteht nur, wenn viele
Knoten ein möglichst feinmaschiges Netz ergeben.
Als Negativbeispiel kann die Anbindung des Mühlkreisbahnhofes genannt
werden. Damit der Bahnhof an das Straßenbahnnetz Anschluss hat, führt
eine eigene Straßenbahnlinie (Linie 3) zum Bahnhof. Trotzdem bleibt
diese Anbindung für die BenutzerInnen unattraktiv, weil man, um in den
Norden oder Süden der Stadt zu gelangen, wieder auf die Hauptlinie der
Straßenbahn umsteigen muss. Die generelle Verkehrsführung in den
umliegenden Straßenzügen ist suboptimal (die angespannte Parkplatzsituation
sowie die Einbahnführung führen zu chaotischen Szenen), der Bahnhof
selbst wirkt lieblos und die verschiedenen Verkehrsformen scheinen eher zufällig
als geplant nebeneinander zu existieren. Der Mühlkreisbahnhof könnte
eine wichtige Rolle als einer der nördlich gelegenen Knoten spielen,
erfüllt aber aus einer Netzwerkperspektive die Anforderungen nicht.
Neue Verkehrsknoten können vor allem bei der Planung von freiwerdenden
innerstädtischen Flächen gleich mitgedacht werden. Die Umnutzung
solcher ehemaliger Gewerbe- und Industriebetriebe bietet die Chance, Verkehr
und Wohnbau gleichzeitig zu planen. Die neue Nutzung dieser Flächen ermöglicht
städtebauliche Impulse, die den Wegzug in den „Speckgürtel“
der Umlandgemeinden bremsen und zu steigenden Einwohnerzahlen führen
werden. Linz ist als lebendiger urbaner Lebensraum dabei, wieder für
mehr Menschen als Wohnort interessant zu werden. Das renovierte Bauernhaus
in der ländlichen Idylle mit den weiten Wegen zur Arbeit, bar jeder Infrastruktur,
ist nicht mehr so attraktiv wie noch vor wenigen Jahren. Gerade jüngere
Menschen suchen moderne Urbanität. Linz kann dieses attraktive Lebensumfeld
bieten. Dazu gehört aber auch die Integration von Mobilitätsknoten.
Verkehrs- und Wohnbaupolitik sind hier untrennbar verknüpft und müssen
zeitgleich geplant werden.
Für den ebenso wichtigen Anschluss von neuen Industrie- und Gewerbegebieten
gilt Ähnliches. So könnten beispielsweise bei der Erschließung
der b-zone, einem neuen Industriepark auf freigemachten Flächen der voestalpine
in bester infrastruktureller Lage, ein solcher Knoten mitgeplant werden. Denkbar
wäre hier ein zukünftiger Knoten mit Bahn- und Busanschluss in Verbindung
mit einem Parkdeck oder Ähnlichem, der die geplanten Betriebe und Einrichtungen
erschließt.
Knoten könnten an der Peripherie durch den Ausbau von Zubringerbahnhöfen
entstehen. So eignet sich z.B. der Bahnhof Pichling in unmittelbarer Nähe
zur neu gebauten SolarCity (einem „auf der grünen Wiese“
entstandenen modernen Wohngebiet mit 1500 Wohnungen im Süden der Stadt)
für einen solchen Knoten. Parkflächen (Stichwort Park&Ride),
geeignete Fahrradabstellflächen statt verwahrloster „Fahrradfriedhöfe“
aus den frühen 70iger Jahren, Einbindung von Bussen und Taxistandplätzen
– ähnlich der NVDS, nur kleiner und auf die lokalen Bedürfnisse
zugeschnitten, - wären nötige Einrichtungen.
Im Stadtzentrum
wird das Fahrrad eine größere Rolle spielen. Zwei Drittel der Autofahrten
sind kürzer als 5 Kilometer und im Ortsgebiet kann die Fahrzeit für
diese Distanz von Tür zu Tür am schnellsten mit dem Fahrrad zurückgelegt
werden . Wenn Knoten geplant werden, sollten Anreize für FahrradfahrerInnen
gesetzt werden: moderne Abstellplätze, Fahrradwege, Möglichkeit,
das Fahrrad im ÖV mitzutransportieren.
Ein wichtiger Vorteil von Verkehrsknoten liegt im Schaffen von Wahlmöglichkeiten
für die Menschen. Diese haben schon vielfach durch ihr Verhalten bewiesen,
dass sie nur schwer „planbar“ sind, sich also nicht so einfach
ihre Form der Mobilität vorschreiben lassen. Nur ein attraktives Angebot,
das Selbstorganisation zulässt und fördert statt vorschreibt, macht
somit Sinn.
Besonders im Stadtzentrum können Verkehrsknoten verstärkt auf Information
und Koordination setzen. Einen ersten Schritt hat man in Linz durch die elektronische
Fahrplananzeigen gesetzt, die an Haltestellen über die Wartezeit und
Behinderungen informieren. In Zukunft kann über weitergehende Telematik
(wie im folgenden beschrieben wird) auch über alternative Routen, Anschlüsse,
etc. informiert werden und so ermöglichen, möglichst einfach, bequem
und rasch zum Ziel oder dem nächsten Knoten zu gelangen.
information und innovation mit system
Ein
wichtiger Aspekt wird zukünftig sein, wie konsequent Verkehrsleitsysteme
vorangetrieben werden. Das aus den klassischen Verkehrsschildern bestehende
System, das ein Parkleitsystem, ein Hotelleitsystem, ein Krankenhausleitsystem
und ein Leitsystem für öffentliche Einrichtungen beinhaltet, bildet
dabei eine wichtige Grundlage. In Zukunft wird es aber darum gehen, Verkehrsflüsse
abhängig von der Verkehrslage zu lenken und Informationen über Veränderungen
so rasch wie möglich an alle VerkehrsteilnehmerInnen weiter zu geben.
Es ist besonders für Städte interessant, so schnell und so umfassend
so viele Verkehrsteilnehmer so individuell wie möglich über Behinderungen
zu informieren, Ausweichrouten bekannt zu geben, auf den nächstmöglichen
Umstieg auf öffentliche Verkehrssysteme hinzuweisen, Fahrplanänderungen
und Störungen bekannt zu geben etc.
„Verkehrstelematik“ ist das Zauberwort, unter dem sich die intelligenten
Verkehrsinformationssysteme (und Mautsysteme) zusammenfassen lassen. Denn
der Ausbau der Verkehrswege wird irgendwann – vermutlich aber sehr bald
- an seine Grenzen stoßen. Autobahnen können nicht endlos erweitert
werden, Bus- und Bahnlinien nicht beliebig ausgebaut und verstärkt werden.
Der verfügbare Raum ist endlich. Damit bleibt, sieht man den Wachstumsprognosen
entgegen, nur die Möglichkeit durch intelligente Nutzungsmodelle und
durch Verkehrstelematik Netzwerke bestmöglich zu nutzen. Die Anfangsphase
der kombinierten Nutzung von Telekommunikation und Informatik ist noch stark
auf das Auto konzentriert, doch Telematik ist mehr als eine simple Navigationshilfe,
die den Autoatlas ersetzt. „Sämtliche für den Verkehr relevanten
Daten würden künftig gesammelt und von Service-Unternehmen aufbereitet.
Auf speziellen Telematik-Endgeräten oder mit dem mobilen Infohandy, per
Internet oder in den mit LCD-Bildschirmen ausgerüsteten Telefonzellen,
überall könne der Verkehrsteilnehmer Reiseinformationen abfragen.
Die Belegzahlen von Parkhäusern, die Ankunfts- und Abflugzeiten auf den
Airports, Zugfahrpläne und Messe-Öffnungszeiten, Oktoberfest und
Bundesliga-Spiel, Ferienbeginn und Jazzkonzerte, Baustellen und Straßenschäden:
Tausende von Daten werden erfasst, gebündelt, mit Hilfe mathematischer
Rechenmodelle und im Abgleich mit historischen Erfahrungen zu einer Verkehrsprognose
aufbereitet, die schon Tage vorher abrufbar sein wird.“
Der Aufbau von Verkehrsinformationszentren (Mobilitätszentralen) in OÖ,
der derzeit an 6 Standorten (Mobilitätskreise) durchgeführt wird,
kann ein Startpunkt für solche Projekte sein, und so die Telematik zu
einer echten Verbesserung der Verkehrssituation führen.
Darum braucht es auch ein klares Bekenntnis zu einer raschen Implementierung
und Förderung solcher Systeme, im Bewusstsein, dass Investitionen nötig
sein werden.
Im Idealfall hält so ein System europaweite Daten für die VerkehrsteilnehmerInnen
bereit und erfüllt sowohl die Bedingung für individuelle Lösungen
als auch für sinnvolle kollektive Planung. Die Entwicklungen in diesem
Bereich werden von verschiedensten Stellen gleichzeitig vorangetrieben. Hier
geht es darum, den Anschluss nicht zu verpassen und auch an Lösungen,
spezifisch für die Linzer Verkehrssituation, zu denken.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche innovative Ideen, wie Mobilität
durch Kombination von Verkehrsmitteln optimiert werden kann. Als Schlagworte
seien hier nur CashCar (Autobesitzer verdienen Geld dadurch, dass andere ihr
Fahrzeug nutzen, wenn sie auf Reisen sind, oder ihr Fahrzeug nicht brauchen),
CombiCar (Frau Maier fährt mit dem Zug zur Arbeit und nimmt dann den
Wagen von Kollegen Mayr, der ihn nur für den Weg zur Arbeit braucht),
Callbikes (z.B. per Telefon erhält der registrierte Kunde einen Code
für das Fahrradschloss und kann damit gratis Fahrräder ausleihen
und an jeder größeren Kreuzung wieder zurückgeben), CarSharing
(Autos werden gemeinsam genutzt und ev. mittels Bordcomputer und Chipkarte
genau abgerechnet) genannt .
Vorreiter ist Linz im Bereich der AST (Anruf-Sammel-Taxis). Sie stehen als
“halb-öffentliches” Verkehrsmittel ausserhalb der regulären
Fahrplan-zeiten zur Verfügung. Eine mögliche Weiterentwicklung wären
AST-Linientaxis, die in schlechter erschlossenen Gebieten wiederum die Anzahl
individueller Möbilitätsmöglichkeiten erhöhen.
Für die individuelle Nutzung von ÖV gilt: solange der Organisationsaufwand
zu groß ist, bleibt eine intermodale Nutzung unattraktiv. Gerade im
städtischen Bereich kann dieser Organisationsaufwand (lange Wege von
und zum ÖV, Fahrpläne und Information, Routenplanung, Zeitaufwand)
gering gehalten werden.
Wenn durch das Verkehrsnetzwerk ein für die BenutzerInnen transparentes
Angebot vorliegt, das noch dazu jederzeit abgefragt werden kann, übersteigt
der individuelle Nutzen die Kosten. Wenn dann auch noch der öffentliche
Verkehr günstiger ist, werden Anreize zum Umstieg geschaffen. Aus gesellschaftlicher
Sicht sind solche Anreize notwendig, weil der ÖV volkswirtschaftlich
mehr Nutzen stiftet und die Umwelt deutlich weniger belastet. Es besteht die
Notwendigkeit, den individuellen Nutzen zu erhöhen. Das funktioniert
aber nicht dadurch, dass man das Auto möglichst unattraktiv macht (der
Ansatz vieler Grüner), sondern dadurch, dass man den ÖV attraktiver
gestaltet, was (wie oben beschrieben) gerade im städtischen Bereich möglich
ist.
Heute werden Wege lieber mit Auto zurückgelegt, auch wenn bei Kalkulation
aller für den Benutzer entstehenden Kosten (Anschaffung/Abnützung,
Wartung, Versicherung, Reparatur, Treibstoff) bereits heute in sehr vielen
Fällen ein Ticket für den öffentlichen Verkehr günstiger
käme. Das gilt im besonderen für die Stadt: Stop&Go-Verkehr
führt zu höherem Treibstoffverbrauch und größerer Abnutzung,
die Unfallhäufigkeit ist besonders zur „RushHour“ höher,
der Zeitaufwand oft deutlich höher als beim ÖV.
öffentlicher verkehr: privat ist schlechter als staat
Gefragt ist ein intelligenter Mix aus ÖV und IV mit dem gezielten Aufbau
von Netzwerken. Diese Leistung kann aber nur durch die Kombination und Zusammenarbeit
von Verkehrs-trägern erbracht werden, die nicht Gewinnmaximierung als
oberstes Ziel verfolgen, d.h. im öffentlichen Eigentum stehen. In Linz
wurde beispielsweise die Nahverkehrsdrehscheibe von einer Gesellschaft errichtet,
die je zur Hälfte der Stadt Linz und dem Land OÖ gehört und
die Linz AG, die ÖBB, die LILO-Betreibergesellschaft, Post- und Bahnbus
etc. in die Planung miteinbezogen hat. Es darf stark bezweifelt werden, ob
die Realisierung dieses Verkehrsknotens möglich gewesen wäre, wären
alle diese Unternehmen privatisiert, wie es von neoliberaler Seite immer wieder
gefordert wird.
Die neoliberale Vorstellung von Verkehrspolitik ist die der vollkommenen Privatisierung
und Liberalisierung. Verkauft wird diese Idee unter dem Mäntelchen des
Spargedankens. Das zentrale Argument hinter solchen Überlegungen ist
aber die aus konservativer Sicht uneingeschränkte Überlegenheit
des Marktes. Unter dem Motto „Mehr Privat, weniger Staat“ sollen
private, gewinnorientierte Unternehmen die Aufgaben bisher im öffentlichen
Eigentum stehender Unternehmen übernehmen. Dass es aber gerade im Bereich
der kommunalen Dienstleistungen wie bei Abwasser und Kanal, Energieversorgung
und nicht zuletzt im Bereich des öffentlichen Verkehrs zu Marktversagen
kommt, wird vollkommen ausgeblendet. Anders formuliert: Warum sollte ein privates
Unternehmen eine Buslinie betreiben, die unrentabel ist? Warum sollte ein
privates Unternehmen Gewinne vollständig reinvestieren, wie es öffentliche
tun? Warum sollte es sich bei Ausschreibungen nicht nur für die lukrativen
Strecken interessieren? Und warum sollte sich ein privater Anbieter gezielt
für Kooperation und Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel engagieren,
andere mitdenken lassen und einem Gesamtkonzept folgen, wenn nicht lukrative
Erträge winken (und das tun sie im öffentlichen Verkehrssystem kaum)?
Das Ziel privater Anbieter ist immer Gewinnmaximierung. Wäre es das nicht,
wären sie schlechte Unternehmer im klassischen ökonomischen Sinn.
Sich in der Abwicklung des öffentlichen Nahverkehrs vollständig
auf Private zu verlassen, hat einen besonders gravierenden Nachteil. Es wird
wertvoller Entscheidungsspielraum aus der Hand gegeben. Um beim Beispiel Linz
zu bleiben: Wenn der Alleineigentümer der LinzLinien – und das
ist die Stadt Linz – der Meinung ist, dass eine Buslinie in einer bestimmten
Frequenz notwendig ist, um einen Stadtteil an das öffentliche Verkehrssystem
anzubinden, wird es diese Linie auch geben. Und das auch dann, wenn ein privater
Anbieter schon längst Linien gestrichen hätte, um die Bilanz zu
optimieren. Denn für den öffentlichen Eigentümer ist klar,
dass der Verkauf der Fahrscheine allein nicht ausreicht, um die laufenden
Kosten zu tragen. Natürlich gäbe es dafür eine Lösung,
die ebenfalls aber eine gesellschaftliche Tragweite hat und damit politisch
zu entscheiden ist. Es könnten die Tarife erhöht werden. Das würde
zum einen dazu führen, dass genau wieder der Teil der Bevölkerung
das Nachsehen hat, der nicht auf das Auto ausweichen kann. Zum anderen würde
es einen weiteren Teil davon abhalten, den ÖV zu benutzen. In einer Abwärtsspirale
würde das wieder dazu führen, dass weniger Geld in den ÖV investiert
wird (warum investieren, wenn das Angebot so schon nicht genutzt wird) usw.
auslastung und grenzkosten
Grenzkosten
spielen eine wichtige Rolle im ÖV. Gesellschaftlich sinnvoll wäre
es, für eine möglichst gute Auslastung zu sorgen. Ist ein Bus erst
einmal angeschafft und die Linie eingerichtet, spielt es keine Rolle (aus
Grenzkostensicht), ob eine oder hundert Personen mitfahren. Das private Unternehmen,
das über eine Ausschreibung den Zuschlag erhalten hat, wird diesen Auftrag
aber nicht zur gesellschaftlichen Zufriedenheit, sondern zum eigenen Vorteil
gestalten. Überlässt man ihnen mit der Linie die Preisbildung, werden
die Preise über dem aus sozialer Sicht gewünschten Niveau liegen.
„Hinzu kommt, dass sich Märkte nur für solche Elemente der
Verkehrsinfrastruktur instrumentalisieren lassen, deren Kosten die Summe der
Zahlungsbereitschaften potentieller Nutzer nicht übersteigen.“
. Darüber hinaus ist mit einer mangelnden Investitionsbereitschaft zu
rechnen. Für unattraktive Linien werden sich private Anbieter gar nicht
bewerben, außer ihnen wird entweder durch Subvention Verlust abgegolten
und ein Gewinnaufschlag gewährt, oder bei Abgabe im Paket mit gewinnbringenden
Linien der Gewinn vollständig überlassen. Für öffentliche
Anbieter bieten die gewinnbringenden Linien die Möglichkeit, Verluste
auszugleichen. Wenn man diese gewinnbringenden Linien genau betrachtet, stellt
man zusätzlich fest, dass viele davon nur dadurch rentabel sind, weil
es unrentable Zubringer gibt.
warum öffentliche monopole privaten vorzuziehen sind
Die Debatte um Privatisierung im öffentlichen Verkehr lässt den
Eindruck entstehen, dass nach erfolgter Privatisierung vor allem durch Konkurrenzkampf
verschiedener Anbieter alles billiger und besser wird. Das ist eine gefährliche
Irreführung. Der öffentliche Nahverkehr wird ein Monopol bleiben,
weil mehrere Anbieter nie gleichzeitig am Markt bestehen könnten. Auch
die „liberalisierte Variante“ der Ausschreibung endet letztlich
im (privaten) Monopol.
Ein öffentliches Monopol ist aber einem privaten immer aus gesellschaftlichen
Gründen vorzuziehen, weil Private sich nicht für ihre Taten rechtfertigen
müssen und nicht oder kaum gesellschaftlichen Werten verpflichtet sind.
Die Politik kann für ihre Fähigkeit oder Unfähigkeit im regelmäßigen
Abstand bei Wahlen zur Rechenschaft gezogen werden, Private nicht. Auch die
angebliche ökonomische Überlegenheit einer Privatisierung, also
der Einführung eines privaten Monopols, ist in Frage zu stellen. Ein
Privater ist vielleicht unter Wettbewerbsbedingungen besser, aber nie aus
„Menschenfreundlichkeit“. Auch neoliberale Ökonomen haben
keine Argumente, warum in einer Monopolsituation ein privates Unternehmen
überlegen sein sollte. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, warum
ein privates Monopol Nachteile bringt (siehe oben).
Beispielhaft für die Auswirkungen solcher Politik sei die vollständige
Deregulierung des Busverkehrs 1986 im Großraum London genannt. Bis 1992
ist die Zahl der Fahrgäste um 22% zurückgegangen, die realen Fahrpreise
bis 1996 um 25% gestiegen . Das Ziel einer öffentlichen Verkehrspolitik
besteht aber in der Verbesserung der Gesamtsituation, in der Vernetzung, in
einer Verkehrspolitik im Sinne der Menschen. Weiterführende Infos über
die Auswirkungen von Privatisierung und Liberalisierung finden sich in diesem
Buch im Artikel „formale privatisierung als mittelweg zwischen privat-
und gemeinwirtschaft“ von Markus Eidenberger.
fazit
Wenn man erkennt, dass der Einsatz telematischer Verkehrssysteme in einer
kürzeren Zeitspanne bevorstehen kann, als viele glauben würden,
und die Erkenntnisse aus der Netzwerktheorie und der Selbstorganisation ernst
nimmt, ergibt sich eine interessante Perspektive für die Zukunft der
Verkehrspolitik. Der Aufbau eines wie oben beschriebenen intermodalen Mobilitätsnetzwerkes
in der Stadt ist dann möglich, wenn langfristig geplant wird, technische
Entwicklungen genutzt und die öffentliche Hand die Verkehrspolitik nicht
ihrem Schicksal überlässt (also privatisiert). Öffentliche
Planungshoheit mit Übersicht über die Gesamtsituation und das Bekenntnis,
den ÖV nicht in die Bedeutungslosigkeit abgleiten zu lassen, sondern
ihn zu fördern, bilden die Grundpfeiler der skizzierten Strategie. Darauf
aufbauend folgt die schwierige Aufgabe des Auf- und Ausbaus eines urbanen
Netzwerkes, das diesen Namen auch verdient. Die Komplexität entsteht
vor allem dadurch, dass viele Verkehrsträger in die Planung einbezogen
werden müssen und deren Ineinanderwirken koordiniert werden muss. Die
gute Nachricht ist, dass viele notwendigen Bestandteile (oft unbemerkt und
ohne Auswirkung) schon angedacht oder realisiert werden. Es fehlt allerdings
einzelnen Akteuren eine innovative Gesamtsicht, ohne die so ein Netzwerk nicht
zu realisieren sein wird.
literatur
Bundesministerium für
Verkehr (2002): "Verkehr in Zahlen - Österreich, Ausgabe 2002"
Magistrat der Landeshauptstadt Linz (2001): Verkehrskonzept www.linz.at/verkehrskonzept
Magistrat der Landeshauptstadt Linz (2004): Linz in Zahlen www.linz.at
Magistrat der Landeshauptstadt Linz (2004): Linz 21, SPG 6 „Wohnen,
Verkehr, Raumplanung und – entwicklung“
Naveg (2004): http://www.drehscheibe-linz.at, http://www.naveg.at
ÖGPP Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung
(2002): Privatisierung und Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen
in der EU , Wien, Teil 1: Eisenbahnen und ÖPNV, S 16
Prätorius, Gerhard & Wichert, Christian (2004): Die Ergänzung
der Haushalts- durch Nutzerfinanzierung von Verkehrsinfrastrukturen
Probst, G. (1987): Selbstorganisation; Berlin-Hamburg: Parey;
Wirtschafts- und sozialpolitisches Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich
Ebert-Stiftung (2002): „Deutschland mobil“ – Probleme, Debatten,
Lösungen, Seite 26 http://www.fes.de/
VCÖ Verkehrsclub Österreich, Straßen zum Radfahren, Wissenschaft
& Verkehr, 2/1995, Wien 1995
VCÖ (2004): Kombinieren: Für jeden Weg das beste Verkehrsmittel,
VCÖ-Magazin 03/2004
von Foerster, H. (1993): Prinzipien der Selbstorganisation im sozialen und
betriebswirtschaftlichen Bereich; in: ders., Wissen und Gewissen, Frankfurt
a.M.: Suhrkamp
“Viele Wege
führen nach Rom. doch nur einer führt zu dir
du sagst ich kenn' ihn schon, bitte zeig ihn mir
was soll ich denn in Rom? Da bleib' ich lieber hier."
(Fettes Brot / „Rom“)
links zum thema
www.fes.at
Friedrich-Ebert-Stiftung mit zahlreichen Texten unter anderem zum Thema Verkehr
www.vcoe.at
Verkehrsclub Österreich – Information und Diskussion zum Thema
Verkehr in Österreich
www.naveg.at
Nahverkehrserrichtungsgesellschaft von Land OÖ und Stadt Linz zur gemeinsamen
Realisierung von Verkehrsprojekten
|
über „telematikunterstützte verkehrsnetzwerke und eigentum in der kommunalen verkehrspolitik“ diskutieren jakob kapeller und vera lischka mit dem autor christian forsterleitner |